Musik Am Hofe des Zaren - Musikkritik Kölner Philharmonie 2018

KstA Logo

Kölner Stadt-Anzeiger | Kultur & Medien
Klassik: Musik fr den Zaren

Von Markus Schwering 24.02.18, 02:03 Uhr

Junge Philharmonie Köln unter Volker Hartung mit russischem Programm

"Musik am Hof des Zaren" - da denkt man nicht an Verdi. Indes hat es schon seine Richtigkeit, wenn die Junge Philharmonie Köln unter Volker Hartung ihr Konzert in der Philharmonie mit der Ouvertüre zur "Macht des Schicksals" eröffnete: Der Maestro hatte die Oper im Auftrag des Zaren für das Sankt Petersburger Opernhaus geschrieben.
Ansonsten ging es tatsächlich russisch-zaristisch zu: mit Tschaikowskys "Schwanensee"-Suite, der Ouvertüre zu Glinkas Nationaloper "Ein Leben für den Zaren" und Rachmaninows erstem Klavierkonzert (sowie Zugaben von Tschaikowsky, Rachmaninow und Rimski-Korsakow).
Rachmaninow? Ja, auch er, den man gemeinhin mit der russischen Emigration identifiziert, startete seine Karriere im Zarenreich - die Erstfassung des Konzerts schuf ein 17-jähriger. Jetzt erklang es freilich in der revidierten Version von 1917, mit dem Kölner Klavierprofessor Oleg Poliansky am Flügel, der das melodiensüffige Werk mit völlig selbstverständlicher Virtuosität, mit Eleganz und Grandezza absolvierte. Das Hauptaugenmerk bei so einem Konzert muss selbstredend dem hoffnungsvoll-professionellen internationalen Nachwuchs gelten, den Hartung in seinem Orchester versammelt. Um den kann es - dem Hörerlebnis des Abends zufolge - nicht so schlecht bestellt sein, und das bezieht sich nicht nur auf die Solisten im Ensemble, zum Beispiel den exzellenten Geiger in Tschaikowskys "Danse russe". So durfte man sich bereits beim Verdi darüber freuen, wie das unruhige Allegro-Hauptthema im Untergrund der Gegenthemen weiterwirkt - eine echt dramatische Situation auf dem Konzertpodium. Der Tschaikowsky hingegen entwickelte einen angemessen morbiden Charme, und was die informierte Leidenschaft zur Sache anbelangt, so
lassen sich die jungen Musiker eh so schnell nicht toppen.